Windelfrei

In anderen Kulturen ganz normal, in unserer Kultur schon lange in Vergessenheit geraten aber wird gerade wiederbelebt: Windelfrei.

Die Kinder tragen keine Windel und zeigen vorher an, wenn sie mal müssen. Außerdem gibt es Standard-Situationen bei denen viele Kinder urinieren oder Stuhlgang haben, z. B. beim Stillen oder gleich nach dem Aufwachen. Die Eltern oder andere primäre Bezugspersonen erkennen diese Signale und halten das Kind über Toilette oder Töpfchen ab.

Dies ist die ursprünglichste Art für Babys und Kinder sich zu erleichtern. Windelfrei hat viele Vorteile:

  • Kinder haben keinen Hautkontakt zu ihren Ausscheidungen, Hautreizungen werden dadurch verhindert
  • Kinder können in der Regel von klein auf ihre Schließmuskeln kontrollieren, diese Kontrolle verlernen viele Kinder durch Windeln, wodurch sie diese zum Trocken werden wieder erlernen müssen – Trocken werden bzw. Töpfchentraining entfällt bei Windelfrei, „trocken“ sind die Kinder ja von Anfang an
  • Windelfrei unterstützt ein gutes Körpergefühl und ein in den Körper hineinhorchen (viele Kinder mit Windeln achten gar nicht mehr darauf, wann und wo sie sich erleichtern und stören sich auch oft nicht daran, längere Zeit ihre Ausscheidungen am Körper kleben zu haben)
  • Die Bindung zu Bezugspersonen wird gestärkt, da diese einfühlsam auf die Signale des Babys achten müssen, das Bedürfnis nach Ausscheidung gleich erfüllen

Wenn Windelfrei so natürlich ist und viele Vorteile hat, wieso wurden dann Windeln erfunden?

In unserer Kultur, die sich mit verschiedenen Industrierevolutionen entwickelt hat, hat sich die Kinderpflege verändert. Die Kinderbetreuung wurde „outgesourced“, das Dorf, dass man früher noch für die Betreuung der Kinder im Rücken hatte, fiel weg. Die Welt wurde schnelllebiger und es blieb keine Zeit und keine Ressourcen, um die Signale der Kinder rechtzeitig zu achten oder eine Möglichkeit zu haben, die Kinder abzuhalten. Auch haben sich unsere Hygienebedürfnisse und -standards verändert. Wo man sich früher mehr oder weniger überall erleichtert hat, haben wir heute eine Toilette und ein Badezimmer. Ins Gebüsch zu gehen oder in den Garten zu pinkeln ist mittlerweile verpönt. Nicht zu vergessen die Nächte. Die modernen Windeln mit ihren Superabsorbern müssen heutzutage nachts nicht mehr gewechselt werden, was den Eltern mehr Schlaf beschert, den sie brauchen, weil die Anforderungen an sie tagsüber gestiegen sind.

Durch den derzeit stattfindenden Paradigmenwechsel weg von Erziehung hin  zu Beziehung und Bedürfnisorientierung und dem gleichzeitig größer werdenden Umweltbewusstsein wurde Windelfrei wieder aus der Mottenkiste geholt und erfreut sich immer größerer Beliebtheit.

Es gibt mittlerweile auch einiges an Zubehör, das einem das Leben mit Windelfrei erleichtert, wie z.B.  praktische Kleidung und  sogenannte Asia-Töpfchen (der Name kommt daher, dass diese im asiatischen Raum benutzt werden, wo Windelfrei weit verbreitet ist), die man bei Babys beim Abhalten drunter halten kann.

Wenn du gerne Windelfrei praktizieren möchtest, dir aber unsicher bist, kannst du auch Teilzeit-Windelfrei praktizieren und lässt dein Kind so oft es eben geht und für dich gut machbar ist, ohne Windel.  Wunderbar ist auch eine Kombination aus Windelfrei und Stoffwindeln.

Es gibt mittlerweile einige Windelfrei-Coaches, die dich auf eurem individuellen Weg unterstützen.

Außerdem gibt es mittlerweile einiges an Literatur zum Thema Windelfrei, hier eine Auswahl:

Artgerecht – das andere Baby-Buch von Nicola Schmidt

Es geht auch ohne Windeln!: Der sanfte Weg zur natürlichen Babypflege von Ingrid Bauer

Windelfrei? So geht´s! von Lini Lindmayer

Mein kompetentes Baby von Nora Imlau